Kapitel 2: Das Haus mit den grünen Fensterläden
(Kuća sa zelenim kapcima)
Das Bett war zu schmal und das Zimmer war zu still und das Meer draußen machte schhh schhh schhh und Mila dachte: Ich schlafe hier nie ein.
In Deutschland war das Bett breit gewesen. Sie konnte sich drehen. Einmal. Zweimal. Manchmal dreimal. Das war das Einschlafen. Das war das Wie. Hier passte sie genau hinein, wie ein Buch in ein Regal. Wie jemand, der nicht ausgewählt hatte, hier zu sein.
Aber dann — direkt neben der Lampe über dem Bett — saß etwas an der Wand.
Und das Etwas schaute sie an.
Mila erstarrte. Das Etwas erstarrte auch.
Es war ein kleines Tier. Beige, mit großen schwarzen Augen. Die Augen blinzelten nicht. Die Zehen sahen aus wie winzige Hände. Es hatte sich flach an die Wand gedrückt. So flach, als wüsste es schon, wie das hier funktioniert. Als hätte es das schon hundertmal gemacht, dieses Stillhalten, wenn jemand Neues ins Zimmer kam.
Mila wagte nicht zu atmen.
Das Tier wagte auch nicht zu atmen.
So lagen sie eine Weile, beide ganz still, und Mila verstand: Das war sein Zimmer. Schon vorher. Bevor Mila kam, bevor Mama das Bett aufgestellt hatte, bevor Papa die Kisten reingeschleppt hatte, die noch immer im Flur standen — da war dieses winzige beige Tier schon hiergewesen und hatte an seiner Wand gesessen und gedacht: Mal sehen, wer kommt.
»Hallo«, flüsterte Mila. Ganz, ganz leise. »Wie heißt du?«
Das Tier blinzelte nicht. Aber etwas in seinem Körper entspannte sich, langsam, wie wenn Spannung aus einem Seil geht.
Mila war sich sicher: Es war ihr Wort gewesen.
Vom anderen Fenster kam eine Stimme. Eine Frauenstimme, ganz nah, als würde sie direkt ins Zimmer sprechen: »LA-ku NOĆ, Mali!«
Mila erschrak. Das Tier an der Wand erschrak auch — ein winziger Ruck, dann wieder Stille.
Laku noć. Laku noć. Was bedeutete das? Es klang wie etwas, das man sagt, bevor etwas aufhört. Oder bevor etwas anfängt. Dann kam eine andere Stimme, leiser, von weiter weg: »Laku noć.« Und eine dritte: »Laku noć.«
Die Wörter wanderten durch die Nacht wie kleine Lichter. Jemand warf sie hinaus, jemand anderes fing sie auf.
Aha, dachte Mila. Das sagt man also, bevor das Licht ausgeht.
Sie wandte sich wieder dem kleinen Tier an der Wand zu. Es schaute sie immer noch an, mit diesen Augen, die alles wussten und nichts verrieten.
»Laku noć«, flüsterte Mila. Ein bisschen wie laku notsch, ein bisschen wie laku noh. Nicht ganz richtig. Aber das Tier machte einen winzigen Schritt nach vorn. Dann war alles still.
Aus dem Nebenzimmer kam Theos Stimme, schlummerweich und selbstvergessen: »Mau, Mau, hopsi.«
Mila lachte leise. Dann roch sie an Bärchens Fell. Es roch nach Deutschland, ein bisschen, schon weniger als gestern. Dann roch sie an der Luft im Zimmer: Meer und Stein und das Würzige, das sie morgen herausfinden würde.
Beide Gerüche waren da.
Beide passten in das schmale Bett.
Das Tier an der Wand passte auch rein.
Wörter, die ich heute gelernt habe
| Kroatisch | Deutsch | Englisch | |---|---|---| | LA-ku NOĆ (LAKU NOTSCH) | Gute Nacht | good night | | MA-li | klein | small / little | | MA-li LO-šinj | Klein-Lošinj (die Stadt) | Little Lošinj | | GUŠ-ter | Eidechse / Gecko | lizard / gecko | | PRO-zor | Fenster | window |
Sada znam tvoje tajno ime.
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